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DIE ASHLEY MONTAGU RESOLUTION ZUR
BEENDIGUNG VON GENITALVERSTÜMMELUNG VON KINDERN WELTWEIT
Ein Gesuch an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag

Dr. James W. Prescott

Angenommen durch das Vierte Internationale Symposium zu Sexuellen Verstümmelungen,
Universität von Lausanne, Lausanne, Schweiz, 9.-11. August 1996.


1. IN HONORIS CAUSA:

Bei dieser ehrenwerten Gelegenheit des Vierten Internationalen Symposiums zu Sexuellen Verstümmelungen an der Universität von Lausanne, Lausanne, Schweiz (9.-11. August 1996) ehren wir Professor Ashley Montagu, einen international anerkannten Wissenschaftler, Gelehrten und Humanisten, der sein Leben der Würde, der Unversehrtheit und dem Wohlergehen von Säuglingen, Kindern und ihren Müttern in der ganzen Welt gewidmet hat und der Pionierarbeit in der Dokumentation der Macht der Lust durch menschliche Berührung geleistet hat, während er den Schmerz und die Erniedrigung verdammt hat, die dem barbarischen Brauch der Genitalverstümmelung von Kindern innewohnen.

Zur Ehrung des bemerkenswerten Lebens von Ashley Montagu im Namen der Wissenschaft für die Menschheit gedenken das Institut für humanistische Wissenschaft, die Humanistische Gesellschaft von San Diego, Kalifornien und die Nationale Organisation der Beschneidungs-Informationszentren (NOCIRC) ihres zehnjährigen Einsatzes, indem sie die Frage der Genitalverstümmelung von Kindern vor den Internationalen Gerichtshof in Den Haag bringen und diesen Vorstoß Die Ashley Montagu Resolution zur Beendigung von Genitalverstümmelung von Kindern weltweit nennen.

Die Ashley Montagu Resolution zur Beendigung von Genitalverstümmelung von Kindern weltweit wird an verschiedene Staatsoberhäupter geschickt mit der Bitte, diese Resolution an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag weiterzuleiten, damit dieser eine Verfügung erlässt, die erklärt, dass Genitalverstümmelung von Kindern die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen verletzt.

Die Montagu Resolution wird auch an den Generalsekretär der Vereinten Nationen und den Präsidenten von Amnesty International weitergeleitet, damit diese die Montagu Resolution unterstützen und bekräftigen, dass die Genitalverstümmelung von Kindern die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen verletzt, welche besagen, dass "niemand/kein Kind [...] der Folter oder einer anderen grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder Strafe unterworfen" werden darf (Artikel 5 beziehungsweise 37), sowie andere Artikel dieser internationalen Abkommen.

2. PRÄAMBEL:

Den Erklärungen zur Genitalverstümmelung von Kindern folgend, die zuvor einstimmig durch die Generalversammlung des Ersten Internationalen Symposiums zur Beschneidung (3. März 1989) und die Jahreshauptversammlung der Humanistischen Gesellschaft von San Diego 1988 beschlossen wurden und gemäß dem Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte sowie der Resolution des Vorstandes der WHO zu "Gesundheit von Mutter und Kind und Familienplanung: Aktuelle Bedürfnisse und zukünftige Orientierung" in Bezug auf traditionelle Bräuche, die schädlich für die Gesundheit von Frauen und Kindern sind, welche der Siebenundvierzigsten Weltgesundheitsversammlung (47. World Health Assembly) EMPFOHLEN hat, die folgende Resolution anzunehmen: "2.(2) geeignete nationale Maßnahmen und Strategien zu ergreifen, die effektiv und mit rechtlichen Mitteln die weibliche Genitalverstümmelung sowie Verheiratung und Schwangerschaft vor dem Erreichen der biologischen und sozialen Reife und andere für die Gesundheit von Frauen und Kindern schädliche Praktiken abschaffen" (25. Januar 1994), wird die folgende ASHLEY MONTAGU RESOLUTION ZUR BEENDIGUNG VON GENITALVERSTÜMMELUNG VON KINDERN WELTWEIT hiermit dem VIERTEN INTERNATIONALEN SYMPOSIUM ZU SEXUELLEN VERSTÜMMELUNGEN zur Billigung vorgelegt.

IN ANBETRACHT DESSEN, dass Genitalverstümmelung von Kindern die unveräußerlichen Menschenrechte verletzt, die in den folgenden Artikeln der ALLGEMEINEN ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE DER VEREINTEN NATIONEN und der UN-KINDERRECHTSKONVENTION spezifiziert sind.

Im Besonderen:

    A) ALLGEMEINE ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE
    ARTIKEL 2:
    Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand;
    und ARTIKEL 3:
    Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person;
    und ARTIKEL 5:
    Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden; und
    B) UN-KINDERRECHTSKONVENTION
    ARTIKEL 19. [SCHUTZ VOR GEWALTANWENDUNG, MISSHANDLUNG, VERWAHRLOSUNG]
    1. Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Gesetzgebungs-, Verwaltungs-, Sozial- und Bildungsmaßnahmen, um das Kind vor jeder Form körperlicher oder geistiger Gewaltanwendung, Schadenszufügung oder Mißhandlung, vor Verwahrlosung oder Vernachlässigung, vor schlechter Behandlung oder Ausbeutung einschließlich des sexuellen Mißbrauchs zu schützen, solange es sich in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils, eines Vormunds oder anderen gesetzlichen Vertreters oder einer anderen Person befindet, die das Kind betreut; und
    ARTIKEL 24. [GESUNDHEITSVORSORGE]
    3. Die Vertragsstaaten treffen alle wirksamen und geeigneten Maßnahmen, um überlieferte Bräuche, die für die Gesundheit der Kinder schädlich sind, abzuschaffen.
    ARTIKEL 37. [VERBOT DER FOLTER, DER TODESSTRAFE, LEBENSLANGER FREIHEITSSTRAFE, RECHTSBEISTANDSCHAFT]

    Die Vertragsstaaten stellen sicher, dass:

    (a) kein Kind der Folter oder einer anderen grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung oder Strafe unterworfen wird. Für Straftaten, die von Personen vor Vollendung des achtzehnten Lebensjahrs begangen worden sind, darf weder die Todesstrafe noch lebenslange Freiheitsstrafe ohne die Möglichkeit vorzeitiger Entlassung verhängt werden.

    (b) keinem Kind die Freiheit rechtswidrig oder willkürlich entzogen wird. [...]

    (c) jedes Kind, dem die Freiheit entzogen ist, menschlich und mit Achtung vor der dem Menschen innewohnenden Würde und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse von Personen seines Alters behandelt wird. [...]

    (d) jedes Kind, dem die Freiheit entzogen ist, das Recht auf umgehenden Zugang zu einem rechtskundigen oder anderen geeigneten Beistand und das Recht hat, die Rechtmäßigkeit der Freiheitsentziehung bei einem Gericht oder einer anderen zuständigen, unabhängigen und unparteiischen Behörde anzufechten, sowie das Recht auf alsbaldige Entscheidung in einem solchen Verfahren; und

IN ANBETRACHT DESSEN, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO die Empfehlung des Khartoum Seminars 1979 zu traditionellen Bräuchen, die für die Gesundheit von Frauen schädlich sind, gebilligt hat, welche empfiehlt, dass Regierungen eindeutige und endgültige Maßnahmen ergreifen, um weibliche Genitalverstümmelung abzuschaffen; und

DAHER SEI BESCHLOSSEN, dass das VIERTE INTERNATIONALE SYMPOSIUM ZU SEXUELLEN VERSTÜMMELUNGEN:

BEKRÄFTIGT dass Genitalverstümmelung von Kindern die Menschenrechte von Kindern verletzt, so wie sie in den Artikeln 2, 3 und 5 der ALLGEMEINEN ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE DER VEREINTEN NATIONEN und in den Artikeln 19, 24 und 37 der UN-KINDERRECHTSKONVENTION enthalten sind; und

alle nationalen Regierungen ERSUCHT, den INTERNATIONALEN GERICHTSHOF in DEN HAAG anzurufen, damit dieser erklärt, dass Genitalverstümmelungen von Kindern eine Verletzung der oben genannten Artikel der ALLGEMEINEN ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE DER VEREINTEN NATIONEN und der UN-KINDERRECHTSKONVENTION sind; und

alle nationalen Regierungen ERSUCHT, Gesetze zu erlassen, die das Praktizieren von Folter und grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung von Kindern, die der Genitalverstümmelung von Kindern innewohnen, welche als Bestandteil von soziokulturellen und religiösen Bräuchen vorgenommen werden und die de facto Verletzungen der ALLGEMEINEN ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE DER VEREINTEN NATIONEN und der UN-KINDERRECHTSKONVENTION sind; und

alle nationalen Regierungen und die ihnen verbundenen Behörden ERSUCHT, medizinisches Personal, Eltern und die Bevölkerung über diese Problematik aufzuklären, insbesondere über die medizinischen, psychologischen, sexuellen und mentalen Gesundheitsgefahren, die der Genitalverstümmelung von Kindern innewohnen, und Mythen und Aberglauben zu bekämpfen, die Genitalverstümmelung von Kindern begünstigen.

Die Ashley Montagu Resolution wurde per Akklamation durch die Kongressversammlung des Vierten Internationalen Symposiums zu Sexuellen Verstümmelungen in Lausanne, Schweiz, am 11. August 1996 angenommen.

Unterstützer der Ashley Montagu Resolution:


Dr. James W. Prescott ist der Direktor des Instituts für Humanistische Wissenschaft, ein Entwicklungs-Neuropsychologe und interkultureller Psychologe, der die entwicklungsgeschichtlichen Ursprünge von Gewalt dokumentiert hat und Gewalt gegen Kinder und Frauen weltweit beenden will, da nur so die menschliche Gewalttätigkeit enden kann.



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